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Baut Menschlichkeit auf Geld und Gewinn auf?Mo. 07.09.2009

Unter der Überschrift „Menschlichkeit braucht Ihre Unterstützung“ versammelten sich rund 70 Zuhörer im Atrium der diakonischen Einrichtung an der Ruthenstraße.

Die Gäste kamen überwiegend aus der Wirtschaft, der Verwaltung, der Politik sowie der Kirche und waren altersmäßig nicht mehr ganz jener Jugend zuzuordnen, für die sie so leidenschaftlich applaudiert hatten. Mit dem Werkstattgespräch verband JWH-Chef Klaus-Dieter Jösten die Ausgabe des aktuellen Jahresberichtes der Einrichtung. Weil das Podium zu drei Vierteln mit Gästen aus Wirtschaftskreisen besetzt war, steuerte das Thema „Menschlichkeit“ schnell in Richtung Arbeitsmarkt. Das führte zu Aussagen wie „menschliche Kündigung“ oder und „Gewinne und Geld sind Voraussetzung für Menschlichkeit“.

Auf dem Podium sprachen Kathrein Bönsch (Arbeitgeberverband AdU), Kreishandwerksmeister Karl-Wilhelm Steinmann, DGB-Regionssekretär Volker Eggers und der Direktor der hannoversche Diakonie, Pastor Hans-Martin Joost. Moderator Karsten Holexa von Radio Aktiv gelang es dann doch, allen Gesprächspartnern die eine oder andere persönliche Erfahrung zur Menschlichkeit herauszukitzeln. Bönsch erlebt die wirtschaftliche Krise im Land bei Kunden, Mitarbeitern und Auftragnehmern derzeit verstärkt als „menschliche Berg- und Talfahrt“. Steinmann und Bönsch unterstrichen, dass die Menschlichkeit durch wirtschaftliches Wachstum und damit Arbeit und Wohlstand gefördert werde.

„Finanzsektor hat sich unmenschlich gezeigt“

Volker Eggers kritisierte hingegen, gerade in guten Zeiten hätte die Politik stark in die Lebensverhältnisse eingegriffen. Bei Hartz-IV sollte „erst gefördert, dann gefordert“ werden, doch oft laufe es umgekehrt. Der Finanzsektor habe sich jüngst strukturell und bei einzelnen Akteuren als unmenschlich gezeigt – die Allgemeinheit müsse die Defizite nun ausgleichen.

In Zahlen gemessen, scheint die beim Werkstattgespräch gewünschte Wahrhaftigkeit und Menschlichkeit in der Jugendwerkstatt seit Mitte der 1970er Jahre praktiziert zu werden. „Wir sind ein Netzwerk von Hilfen und Helfenden“, erklärt Jösten in seinem Vorwort zur Jahresbilanz. Bis zu 400 Jugendliche kommen täglich in die Einrichtung.

Der auf Hochglanzpapier gedruckte Bericht Jöstens zeigt Angebote für junge Menschen auf, die auf dem ersten Arbeitsmarkt noch keinen Fuß fassen konnten. „Die Jugendwerkstatt Hameln bereitet durch Qualifizierung, Ausbildung und Umschulung auf den Start ins Berufsleben vor“, unterstreicht Jösten. Neu sind in diesem Jahr die Projekte „Basis Arbeit“ für schwer vermittelbare Arbeitslose sowie das Projekt „Mauerrestaurierung am Stift Fischbeck“. Außerdem wird ein sozialer Trainingskurs für unter 14-Jährige im Bereich Jugendsozialarbeit angeboten.

Ende Dezember 2008 befanden sich bei der JWH 127 junge Menschen im Trainingszentrum, 31 in Ausbildung, sieben in Umschulungen, 217 in Arbeitsgelegenheiten inklusive Qualifizierung und 50 in Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen. 54 Umschüler wurden in Betrieben durch Kräfte der Jugendwerkstatt unterstützt. 35 Jugendliche arbeiteten in Arbeitslosenprojekten. Die JWH betreute zum Stichtag 16 Zuwanderer und 111 junge Leute, die vom Jugendrichter geschickt wurden. Im „Pro aktiv Center“ waren 196 Jugendliche gemeldet. Insgesamt durchliefen im Vorjahr 698 Betroffene die diakonische Einrichtung.
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