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AdU-Herbstempfang im Weserberglandzentrum Di. 10.11.2009

Hameln (wft). „Was wir vor einem Jahr von fern als eine schwarze Wolke auf uns zukommen sahen, nämlich eine Wirtschaftskrise ungeahnten Ausmaßes, hat uns in den vergangenen Wochen mit großer Wucht getroffen.“ Mit dieser Feststellung leitete Ulrich Meyer, Vorsitzender des heimischen Arbeitgeberverbandes AdU, gestern Abend den traditionellen Herbstempfang im Weserberglandzentrum ein. Und konnte doch fast im gleichen Atemzug feststellen: „Dass diese – für alle Beteiligten – völlig neuen Erfahrungen nicht noch schlimmere Verwerfungen und Folgen in unserer Gesellschaft heraufbeschworen haben, ist vor allem dem industriellen Mittelstand zu verdanken, der sich im internationalen Wettbewerb weiterhin recht wacker schlägt.“ Jetzt zeige sich, sagte Meyer, „dass die konsequente, an Produktivität orientierte Lohnpolitik der vergangenen Jahre Früchte trägt“ und die Unternehmen im internationalen Wettbewerb gut aufgestellt seien.

Lob hielt Meyer aber auch für die staatlichen Eingriffe während der Krise parat. Es sei richtig gewesen, mit großzügigen Kurzarbeitsregelungen die Unternehmen in die Lage zu versetzen, ihre Mitarbeiter möglichst lange zu behalten und dadurch einen Abfluss von Know-how zu verhindern. Obwohl hier und da schon vom Ende der Krise gesprochen werde, merkte Meyer an: „Wir sind noch nicht wieder über den Berg.“

Zur Situation im Weserbergland erklärte der AdU-Vorsitzende, es habe sich als großer Vorteil erwiesen, „dass wir vielfältig aufgestellt sind“ und auch in Zeiten des Aufschwungs nur kleine Wachstumssprünge erzielt worden seien. „Uns hat deshalb hier im Nahbereich die aktuelle wirtschaftliche Entwicklung nicht ganz so negativ getroffen.“ Richtig gut gehe es aber bestenfalls einem Drittel der AdU-Unternehmen, „richtig schlecht etwa einem Viertel. Der Rest hat eine in etwa gleichbleibende Umsatz- und Ertragsentwicklung.“ Die positiven Arbeitsmarktzahlen und der Ausbildungsmarkt zeigten, „dass unsere Unternehmen ein existenzielles Interesse daran haben, die engagierten und qualifizierten Arbeitnehmer zu halten und sich durch qualifizierte Ausbildung für die Zukunft zu wappnen“. Schließlich wollten die Unternehmen auch am nächsten Aufschwung teilnehmen.

Von der neuen schwarz-gelben Bundesregierung erwartet der AdU-Vorsitzende „ganz kurzfristig verlässliche Rahmendaten, damit wir auf einem stabilen Fundament weiter wirtschaften können“. Vor allem wünsche sich die Wirtschaft „eine ideologiefreie Wirtschaftspolitik“, in der Sachargumente mehr zählen als das Schielen auf Meinungsumfragen.

Selbiges wünsche sich der AdU auch bezogen auf die Zukunft der Landkreise unserer Region. Meyer erinnerte daran, dass der AdU bereits vor zwei Jahren „ohne Wenn und Aber eine Fusion der drei Landkreise Holzminden, Hameln-Pyrmont und Schaumburg gefordert“ habe. Dabei dürften politische Entscheidungen nicht an regionalem Proporz gemessen werden, forderte Meyer. Er appelliere an die politischen Mandatsträger, „diese Fragen bald zu entscheiden, wo noch Handlungsspielräume möglich sind“.

Als Festredner hatte der AdU im Jahr seines 60-jährigen Bestehens einen besonderen Gast geladen, der auf den ersten Blick nicht unbedingt etwas mit der Wirtschaft zu tun hat: den Generalinspekteur der Bundeswehr, Wolfgang Schneiderhan. Der Vier-Sterne-General, bekennender Schwabe, machte in seinem Vortrag deutlich, weshalb ohne Wirtschaft und wirtschaftliches Gedeihen Konflikte nicht nachhaltig zu bewältigen sind. Denn zur Fähigkeit, politisch, diplomatisch und ökonomisch präventiv Konflikte zu verhindern müsse neben der Fähigkeit, durch Streitkräfteeinsatz Konflikte zu bewältigen und streitende Parteien zu trennen, die Fähigkeit zur Konfliktnachsorge kommen, die, „wie im Balkan unendlich lange dauern kann“. Stabilität sei aber nicht allein mit Waffen zu erreichen, betonte Schneiderhan. Hinzu kommen müssten Zukunftsaussichten für die Bevölkerung, Wohlstand und wirtschaftliche Perspektiven – insgesamt ein System „vernetzter Sicherheit“.

Ohne auf die tagesaktuelle Diskussion über die Frage einzugehen, ob in Afghanistan Krieg herrsche, machte der Generalinspekteur deutlich weshalb der Einsatz der Bundeswehr mit derzeit knapp 4400 Frauen und Männern im Raum Kundus vonnöten sei. In Afghanistan gehe es nicht nur um die Demokratisierung und um die Befreiung der Frauen, sondern es gehe vor allem um die Bekämpfung eines Gegners, der sein Ziel in der Nachbarschaft habe: im Atomwaffenstaat Pakistan, im Iran und dem noch immer nicht stabilisierten Irak. Gelinge es den Taliban diesen Raum gegen den Westen aufzustellen, habe das auch Auswirkungen auf die arabischen Staaten, die Energieversorgung des Westens und damit auch unsere eigene Region.

Massiv wandte sich Schneiderhan dagegen, die deutschen Soldaten als „Brunnenbohrer“ zu diffamieren. Mit ihrer Arbeit würden die Soldaten helfen, ein geschundenes Volk aus dem Mittelalter an die Standards unserer Zeit heranzuführen. Langanhaltender Beifall zeigte Schneiderhan, dass er mit seinen Aussagen beim AdU-Publikum auf große Zustimmung getroffen war.

Wolfgang Schneiderhan, Generalinspekteur der Bundeswehr: „Wir bekämpfen in Afghanistan einen Gegner, der seine Ziele in Pakistan, Iran und dem noch immer nicht stabilisierten Irak hat.“

Quelle DEWEZET: Artikel vom 10.11.2009 - 10.22 Uhr
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